Sonntag, 11. April 2010

Westberlin 1968...

...Die Atmosphäre war wie in vielen deutschen Großstädten aufgeheizt.
Tausende Studierende rebellierten gegen die Autorität von Staat, Universität und Elternhaus: eine Reaktion auf die verdrängte faschistische Vergangenheit, aus der Deutschland fast nahtlos in sein Wirtschaftswunder fand.

"Es ist keine Zeit nüchterner, kalter, von der Praxis getrennter Reflektion, sondern eine Zeit der Mobilisierung", sagte Rudi Dutschke, der populärste Sprecher des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes im Audimax der Freien Universität Berlin.

Es war die Zeit der Anti-Vietnam-Kriegs-Demonstrationen: in Ketten und Reihen untergehakt, rannten Menschen gegen die polizeiliche Übermacht mit Wasserwerfern und Schlagstöcken an.
Rudi Dutschke war in der ersten Reihe: "Dass wir durch internationale Massenaktionen systematisch Desertion betreiben in den Armeen und die subversiven Aktionen gegen Kriegsmaterial der Nato verbreitern und so mithelfen, dass kein Kriegsmaterial aus Mitteleuropa nach Afrika, Asien, Südamerika und nach Vietnam geht."

Der im märkischen Luckenwalde lutherisch-protestantisch geprägte Dutschke akzeptierte tatsächliche Gewalt nur äußerst widerstrebend - ganz anders als die Rote Armee Fraktion, die im April 1968 die ersten Bomben zündete.

Die Westberliner Bevölkerung hatte sich jedoch auf ihren "Staatsfeind Nummer 1" festgelegt und Parolen wie "Vergast Dutschke!" auf Häuserwänden war keine Seltenheit, in diesen Tagen. In der Person des jungen Hilfsarbeiters Josef Bachmann fand sich scchließlich jemand, der Rudi Dutschke am 11. April 1968 niederschoss.
11 Jahre später, am 24. Dezember 1979, starb Rudi Dutschke, im Alter von 39 Jahren an den Spätfolgen des Attentats. Er wurde in Berlin beerdigt. Bei der Trauerfeier sang Wolf Biermann ein Lied für ihn, in dem es hieß: "Sanft war er, ein bisschen zu sanft, wie alle Radikalen."

Zitat von RD: „Das Problem revolutionärer Gewalt [ist] der Umschlag von revolutionärer Gewalt in eine Gewalt, die die Ziele der Gewalt - die Emanzipation des Menschen, die Schaffung des neuen Menschen - vergißt.“

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