Montag, 12. Januar 2009

Gedicht

Es ist von Rainer Maria Rilke und ich habe es gerade bei Monika gefunden. Gleich als ich es las, fühlte ich mich schon besser:

Man muß den Dingen
die eigene, stille,
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt,
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann;
alles ist austragen – und
dann gebären ....

Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen
des Frühlings steht,
ohne Angst,
daß dahinter kein Sommer
kommen könnte.

Er kommt doch !

Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit vor ihnen läge,
so sorglos still und weit ...

Man muß Geduld haben
gegen das Ungelöste im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antwort hinein.

Rainer Maria Rilke

Ist das schön - ich finde es toll!

OK, und dann muss ich noch was klarstellen:
Ich drücke mich in der Regel sehr deutlich aus und rede nicht um den "heißen Brei" herum. Nee, so bin ich nicht - in der Regel, doch im Moment bin ich irgendwie verunsichert und mir werden so Glaubenssätze bewußt die da lauten, das ich es "eh' nie schaffen werde " z.B..

So etwas ist erst einmal ein Schock - oder? Dann fällt mir ein, was ich in meinem Seminar sage, und mir wird bewußt, dass ich im Moment machtlos bin und mir selber nicht helfen kann. Das konnte ich so nicht schreiben - ist doch verständlich oder?
Heute sehe ich das als einen "Moment" an, in dem ich mcih befand und kann ihn benennen und baue darauf, dass ich eines Tages in die Antwort hineinwachsen werde, weil ich mich darin üben will, so zu leben, als wenn die Ewigkeit vor mir läge.
Gute Nacht!

.-.-.-.-.-..-.-.-.

Nachtrag

das ist kein Gedicht sondern eine Passagen aus den „Briefen an einen jungen Dichter. Der Wortlaut ist für die Gedichtform bearbeitet und dadurch leider entstellt. So lautet die letzte Passage:

    «Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.»

Kommentare:

samate hat gesagt…

ich finde das gedicht etwas schoener, mir liegt ja sowas ;-)) und ich halte mich grad auch daran fest, in antworten hineinzuwachsen.

jedenfalls versuche ich es.

Gabitextile hat gesagt…

Hallo Beate,
wunderbare Zeilen, werde ich mir kopieren und passt auch zur Zeit zu meiner Stimmung..da ist zur Zeit viel aufzuarbeiten, jetzt auch, wo ich bald meinen 50tn feiere...Aber deine Einträge sind echt informativ, denn heute habe ich beim Lesen deine Infos zu Zattoo gefunden- mein Fernseher ist nämlich auch kaputt (seitdem lese ich täglich Krimis)und ich habe es tatsächlich geschafft es zu installieren und sogar die Boxen für den Ton, die übrigens auch schon seit mindestens 2 Jahren verpackt unter dem Schreibtisch standen! auch endlich anzuschließen. Bin richtig stolz auf mich und dir vielen Dank für deinen Anstoss!
Herzlichst Gabriele boridesign

Bloomsbury hat gesagt…

Eine gute, beruhigende Antwort ist das Gedicht im Nachtrag.

Danke!

Viele Grüße, Bloomsbury