Dienstag, 3. Juni 2008

„Gib jedem Tag die Chance, der beste deines Lebens zu werden.“

„Wir müssen oft neu anfangen, aber nur selten von vorne.“
Ernst Ferstl

Ich wollte nicht Hermnn Hesse bemühen und seinem Anfang, dem ein Zauber inne wohnt. Ja, für mich ist es ein Neuanfang, und ich finde es bombastisch, wie sich das anfühlt.

Zauber hin oder her, ich hatte gedacht irgendwann sei es mal gut mit den Erkenntnissen, doch weitgefehlt. Es gibt immer wieder Tage, da werden sie quasie über mich ausgeschüttet die Erkenntnisse, so auch im Moment.

Seit vielen Jahren denke ich über die Auswirkungen des patriarchalen Systems auf meine Befindlichkeit nach. Patriarchale Systeme sind Herrschaftssysteme. Und "herrschen" bedeutet, dass es da auch "Unterdrückte" gibt. Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff ,Patriarchat' Herrschaft der Väter.

Macht und Ressourcen, wie z.B. Bildung, materielle Güter, politische Mitbestimmungsrechte und z.B. soziale Positionen, sind in solchen Strukturen einseitig durch das männlichen Geschlecht besetzt. Männer oder dementsprechend angepasste Frauen sind im Vorteil, üben ihre Macht aus und, ja - das tun sie - unterdrücken meine Rechte als Frau und Mensch.

Die Verinnerlichung von sexistischen Normen, Werten und Verhaltensweisen werden von den Mitgliedern einer Gesellschaft internalisiert und damit wiederum an die nachfolgenden weitergegeben, das heißt die Gesellschaft reproduziert ihre Normen und Werte und letztlich sich selbst. Sexistische Methoden sind oft so subtil, dass sie nicht als solche wahrgenommen werden, auch, weil sie sich im Laufe der Jahrhunderte in Traditionen und geltendes Recht verwandelt haben.

In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde der Patriarchatsbegriff von der radikal-feministischen Strömung der Frauenbewegung aufgegriffen und in der Weise neu interpretiert, dass das Patriarchat als "Männerherrschaft", deren Kern die sexuelle Verfügungsgewalt des Mannes über die Frau ist verstanden werden muss. Damit wurde versucht, der Tatsache Rechnung zu tragen, dass die männliche Herrschaft in unseren Tagen über die ,Herrschaft der Väter' weit hinausgeht und auch von Ehemännern, von männlichen Vorgesetzten, von Männern in Führungspositionen in Politik, den meisten gesellschaftlichen Institutionen und in der Wirtschaft ausgeübt wurde und wird.
Wer würde das bestreiten?
Denn die wichtigsten Kennzeichen der patriarchalen Gesellschaften sind die ungleiche Macht- und Ressourcenverteilung zugunsten des männlichen Geschlechts sowie die geschlechtliche Arbeitsteilung, die in Ehe und Familie gesellschaftlich verankert ist.
Unsere Gesllschaft ist ein Patriarchat, auch wenn wir eine KanzerIN haben.

Wohlmeinende Menschen und Freunde haben, vor fast 12 Jahren, nicht glauben wollen, was ich da tue, als ich eine Anstellung im Öffentlichen Dienst annahm. Was soll ich sagen, sie haben Recht behalten, denn, der Öffentliche Dienst ist das Patriarcht schlechthin und somit passen wir nun wirklich nicht zusammen - halt stopp, das weiß ich ja jetzt erst, denn erst die leidvollen Erfahrungen der vergangenen 11 Jahre und 6 Monate haben mich erkennen lassen, dass es so ist.

Da eben alles 2 Seiten hat, muss ich auch sagen, die Erkenntnisse, die ich heute haben, hätte ich anders wohl auch nicht bekommen. Was das für Erkentnisse sind?

Das wir offensichtlich eine Situation, die wir erfahren, jedoch nicht verarbeitet haben, so oft wiederholen, bis wir ihren inneren Sinnzusammenhang begreifen.

Erinnere dich nur an die Wahl deiner Lebenspartner - gib zu, es waren oft ähnliche Männer oder Frauen, bis dir klar wurde, was du da machst, oder auch nicht.

Wir werden in unseren familiären Zusammenhängen sozialisiert und auf das Leben vorbereitet. Wenn es da nun zu Demütigungen und Missbraucht kommt, prägt uns das ebenso wie glückliche Momente.

Dann gibt es da noch etwas, das Luise Reddemann "Ressourcen" nennt. Das sind unsere unbekannte Kräfte, die uns helfen lebensbedrohende Situationen zu meistern, zu überleben. Kreativität ist z.B. so eine Ressource. Bei mir ist es noch der Humor und sicher einige andere Eigenschaften, denn ich habe sogar den Öffentlichen Dienst überlebt, wie auch andere, meine Exzistens bedrohende, Erlebnisse.

Die vergangenen 11 Jahre und 6 Monate im Öffentliche Dienst waren für mich eine Situation, in der ich mannigfaltig beschädigt worden bin, doch aufgrund meiner
Ressourcen konnte ich auch wieder heil werden.
In meinem Fall war
der Öffentliche Dienst die Fortsetzung von etwas, unter dem ich zuvor schon gelitten hatte - was weder das eine noch das andere entlastet.
Mich machen
Machtstrukturen, die versuchen mich klein zu machen, krank und, sie werden niemals gewinnen, nun erst recht nicht mehr, denn ich durchschaue sie.
Ich reagiere hochgradig empfindlich auf Situationen, in denen einer Macht über mich haben möchte oder versucht mich zu demütigen. Ich habe gelernt mich zu wehren und mich unabhängig zu machen.

Wie wunderbar ist es, dass ich nun 58 Jahre alt bin und mein Leben selber gestalten kann, nach meinem Gusto, unabhängig von Strukturen in die ich nicht rein passe.

Ich war viele Jahre bedürftig und hilflos, weil uns das Patriarchat so haben will.

Was ist eigentlich das Gegenteil von "bedürftig und hilflos"?

bedürftig: arm, elendig, in Not, mittellos
hilflos: auf Hilfe angewiesen, hilfsbedürftig, ohnmächtig, ratlos, schwach, unselbständig, abhängig, kraftlos, machtlos, schutzlos, unsicher, verwirrt, wehrlos

Das Gegenteil!!!!!!!!!!

reich, gesund, gut versorgt, eigenständig, machtvoll, sicher, voller Zuversicht und Ideen, selbständig, bewaffnet, klar


Ich meine das immer auf seelischer Ebene!

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