Dienstag, 7. August 2007

Patriarchat

...meint, in der Soziologie das Vorrecht der Väter, also die traditionelle Gesellschaftsordnung, in der die Männer und Väter die Entscheidungen innerhalb der Gemeinschaft treffen (Zitat aus Wikipedia).

Hatte heute eine Diskussion mit Samate, nein, es war noch anders, denn zuvor habe ich bei Kristin LaFlamm etwas gelesen: art versus craft - Also Kunst versus Handwerk, das hat mich nachdenklich gemacht.
Schon in meiner Diplomarbeit, in der es um die ersten Atelierfotografinnen ging, habe ich aus Artikel zitiert, die darauf abzielten Frauen aus dem Berufsfeld der Fotografie zu ver- und ins "Kunsthandwerk" abzu-drängen, also in den Bereich Hobby.

In den Anfängen der Atelier-Fotografie, die in Deutschland zeitgleich war mit dem Aufkommen der Notwendigkeit gebildeter Frauen, aus dem Bürgertum, sich eine eigenständige ökonomische Excistenz aufzubauen, waren Frauen sehr erfolgreich als Fotografinnen berufstätig. Männer hatten diese neue Techik der Bilderzeugung einfach nicht ernst genommen. Als diese begriffen, dass dies jedoch die Zukunft war, wollten sie den Kuchen, den Umsatz-Kuchen, nicht mit Frauen teilen und verdrängten sie aus diesem Berufsfeld.

Und gegenüber Samate erwähnte ich, dass dieser Gegensatz von Handwerk und Kunst doch nur in patriarchalen Systemen entsstehen konnte. Weil nur dort, die Herrschenden ihren Kuchen nicht mit anderen teilen wollen. Also, der von den Männern beherrschte Kunstbetrieb, soll eben in Männerhand bleiben, und darum werden kreative Betätigungen von Frauen eben als "Handwerk" abgewertet. Oder zumindest werden Kriterien festgelegt, Messlatten hingestellt, an der das, was Frauen machen gemessen und für nicht "wetvoll" erachtet wird.

Samate brachte dann ein Beispiel aus ihre beruflchen Umfeld:

Die ENIAC-girls
''Computer'' war seit dem 17. Jahrhundert eine Berufsbezeichnung für Leute, die unter Anleitung komplizierte Berechnungen durchführten. In den 1940ern waren Computer hauptsächlich Frauen (Mathematikerinnen), die Zieltabellen für Bomberpiloten berechneten.

Wer hat das gewußt?

Der erste elektronische Computer war der ENIAC (Electronical Numerical Integrator and Computer), er wurde entwickelt an der Moore School of Electrical Engeneering an der University of Pennsylvania in Philadelphia, um die Aufgaben der menschlichen Computer zu übernehmen. Herman H. Goldstine übernahm 1942 die Leitung der menschlichen Computerabteilung. Seine Frau Adele Goldstine wurde 1943 Mitglied im Entwicklungsteam des ENIAC. Sie schrieb das Demonstrationsprogramm für den ENIAC, der 1946 der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Sie durfte das Programm allerdings nicht selbst vorführen. Sechs der weiblichen Computer durften 1945, unter Leitung von John W. Holberton, die Programmierung des ENIAC übernehmen, da sie durch ihren bisherigen Beruf dafür sehr geeignet waren.

Weitere Frauen aus deisem Bereich, den Computerlabors:

  • Maschinen-Operatorinnen, Programmiererinnen, Codiererinnen und Problemanalytikerinnen beim MANIC-Projekt
  • WRENS (Women's Royal Naval Service) waren Maschinen-Operatorinnen in der Entwicklung des Colossus
  • Programmiererinnen und Codiererinnen im BINAC-Projekt
  • Kathleen Brittan an der University of London
  • Klara von Neumann programmierte und codierte in Los Almanos
  • Grace Hopper codierte für Mark I in Harvard, entwickelte das erste Compiler- Programm für UNIVAC, beteiligte sich, zusammen mit Betty Holberton, an der Entwicklung der Sprache COBOL.
  • Grace Hopper wurde ''Computer Science Man of the Year''.
  • Jean Bartik entwarf das logische Design des UNIVAC, spätere Beteiligung an der Entwicklung von FORTRAN.
  • Ruth Davies programmierte im UNIVAC-Projekt.
Und bei uns gibt es immer noch Frauen, die haben keine eigne eMail-Adresse, oder, als sie diese einrichteten haben sie den Namen ihres Mannes eingetragen, da der ja, ja WAS ist?

Mir ist dabei wieder einmal bewußt geworden, dass ich mich schon lange nicht mehr an diesem System beteilige, dass ich keinem Mann den Rücken frei halte z.B. und, das ich kein Interesse daran habe mich an Wettbewerben und Ähnlichem zu beteiligen oder zulassen möchte das, dass was ich tue, eingeordnet wird, als Kunst oder Handwerk.
Kreativ zu sein ist mir ein Bedürfnis und so wird es auch bleiben. Basta.

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