Mittwoch, 24. November 2010

Allianoi

Eine vom Regenwasser angeschwemmte Humusschicht hat die Räume der Stadt gefüllt und gut konserviert. Trotz der späteren Nutzung der Anlage in der byzantinischen Zeit ist alles in ausgezeichnetem Zustand. So etwas ist im ägäischen Raum eine Seltenheit. Die Rekonstruktion der Stadt wäre ohne weiteres möglich. Ihre Architektur ist genauso gut erhalten wie die von Pompeji.“
Dr. Ahmet Yaraş

Allianoi, (griechisch Ἀλλιανοί (m. pl.)) ist ein hervorragend erhaltener, sehr ausgedehnter antiker Kurort aus dem zweiten Jahrhundert n.Chr., der 18 Kilometer nordöstlich von Pergamon in der türkischen Provinz Izmir am Paşa-Ilıcası-Thermalbad liegt.
Durch die Errichtung eines Staudammes, der das Wasser des Fluss Ilyazu zu einem See macht, wird sie, trotz  weltweiten und nationalen Protest, wieder unter dem Wasser eines Stausees verschwinden.

Unter Kenntnis der Baupläne führte man 1994 Notgrabungen an einer Stelle durch, die schon lange als prachtvolle Anlage von Paşa Ilıcası bekannt war.

Seit 1998 fanden die Ausgrabungen im Auftrag des türkischen Kulturministeriums mit Unterstützung des Deutschen Archäologischen Instituts statt.
Auch die EU fördert die Rettung dieser archäologischen Stätte in ihrem Programm „Kultur 2000“. Auch die paneuropäische Erbe-Föderation Europa Nostra, eine 200 Nichtstaatliche Organisationen umfassende Dachorganisation, beschloss, sich der Förderung mit eigenen Mitteln anzuschließen.
Zusammen mit der UNESCO appellierte der Europäische Rat am 10. März 2005 an den türkischen Außenminister, die erneute unwiederbringliche Zerstörung eines Teils des gemeinsamen kulturellen Erbes zu verhindern. Der Brief ist bis heute unbeantwortet geblieben.
Trotz Klage, die Kläger beriefen sich dabei auf ein Gesetz aus dem Jahre 2001, worunter auch diese Grabungsstätte offiziell als „bewahrenswertes Kulturgut ersten Ranges“ gilt, wird der Ort nun zugeschüttet und dann geflutet.
Die Bürgerinitiative verlangt die Verlegung des Staudamms. Der heutige Verlauf sei ausdrücklich auf Wunsch der lokalen Großgrundbesitzer zustande gekommen, nur um ihre Felder zu schützen. Im Gegensatz zu den Staudämmen im kurdischen Südosten dient dieser Stausee nicht der Stromgewinnung, sondern der Bewässerung landwirtschaftlicher Nutzflächen.


Es wurde für eine Rekonstruktion des antiken Badeorts und seine Umwandlung in ein Freilichtmuseum plädiert. Von den Einnahmen aus dem Tourismusgeschäft könnten mehr Einheimische besser leben als mit der bewässerten Landwirtschaft, die hier nur den Großgrundbesitzern zugute kommt.
 

Vielleicht sollte ich mir auch wünschen in einem Stausee zu versinken?


Und noch was:
Im Straßenverkehr kommen hierzulande mehr Menschen zu Schaden, als durch Terrorangriffe. Daran sollten wir denken, wenn wir am Bahnhof oder auf dem Weihnachtsmarkt auf finstere Gesellen mit Maschinengewehren treffen.

1 Kommentar:

ded hat gesagt…

Ich war schon daa...
Sehr toller Ort jedoch gibt es dort praktische nichts für den Tourismus...

Nirgendwo ist etwas davon ausgeschildert. Als wir dort ankamen war dort nur ein türkischer Wächter der kein Wort deutsch,französisch oder Englisch sprach. Jedoch konnte er uns die Anlage zeigen. Dort werden zur Zeit immer noch Ausgrabungen getätigt. Es ist überwältigend. Die alten Termalquellen sind völlig intakt und das Wasser ist sehr warm.