Freitag, 2. Juli 2010

Das unser Körper Selbstheilungskräfte hat wissen wir, denn, wenn wir uns in den Finger geschnitten haben, ist das in ein paar Wochen nicht mehr zu sehen. OK, wenn es ein besonders tiefer Schnitt war bleibt vielleicht eine Narbe, doch der Schnitt in der Haut hat sich geschlossen. Wissenschaftler behaupten nun, dass auch die Seele über Selbstheilungskräfte verfügt.

Was meine ich mit Seele?
Der Begriff Seele wird in vielfältigen Bedeutungszusammenhängen benutzt: in mythischen, religiösen, philosophischen oder psychologischen. Ich möchte ihn hier verstanden wissen als die Gesamtheit aller meiner Gefühlsregungen und geistigen Vorgänge. In diesem Sinne ist „Seele“ weitgehend mit dem Begriff Psyche gleichbedeutend. Ich gehe davon aus, dass meine Seele bestimmte Vorgänge in meinem Körper herbeiführt oder beeinflusst. Von mir sind diese Vorgänge ebenso wenig zu steuern wie es meine Gefühle sind. Denken wir nur an Angst, ein Gefühl das, wenn es auftritt, verschiedene Reaktionen im Körper auslöst. Hunde z.B. können sie riechen.

Gefühle/Emotionen sind ein körperlicher Zustand und werden unser ganzes Leben lang erzeugt und sie können nicht über den Verstand gesteuert werden. Sie werden jedoch im Gehirn abgespeichert, besonders die schmerzliche Erfahrungen und die damit verbundenen Gefühle hinterlassen sichtbare Spuren in unserem Gehirn, sagt die Wissenschaft. Das fatale daran ist nun, das emotionale Traumatisierungen aus meiner frühen Kindheit z. B., in meinem späteren Leben daher immer wieder präsent sind und mich und meine Handlungen, meine Weltwahrnehmung, kontrollieren und beeinflussen können.

Auch wenn in unserem Gehirn der Verstand und die Gefühle an unterschiedlichen Stellen „programmiert“ sind, bilden sie zusammen mit unserem Körper ein funktionierendes System, das wir nicht immer zu schätzen wissen oder verstehen, doch es funktioniert und ist auf eine Art Ausgleich aus. Gut geht es uns dann, wenn dieser Ausgleich eine Art Harmonie ist. Manchmal meint unser Verstand jedoch, in einem gewissen Größenwahn, er stünde über allem, ein fataler Irrtum wie ich immer dann erlebe, wenn ich getriggert werde und mein Verstand meint für die Gefühle der alles überflutenden Angst gäbe es Gründe in der Gegenwart.

Die Stelle in unserem Gehirn, die für das Auslösen von Angst zuständig ist, die Amygdala, ist ein Teil des Limbischen Systems und spielt allgemein eine wichtige Rolle bei der emotionalen Bewertung und Wiedererkennung von Situationen sowie der Analyse möglicher Gefahren: sie verarbeitet externe Impulse und leitet die vegetativen Reaktionen ein. Die Amygdala ist bei Menschen und Reptilien identisch, habe ich neulich in einem Buch gelesen. Daraus schließe ich, das Angst ein sehr ursprüngliches Gefühl ist.

Evolutionsgeschichtlich hat die Angst eine wichtige Funktion als ein die Sinne schärfender Schutzmechanismus, der in Gefahrensituationen ein angemessenes Verhalten (etwa Flucht) einleitet. Diese „Alarmanlage“ Angst ist bei traumatisierten Menschen um ein vielfaches empfindlicher eingestellt, was auch zu einem „Fehlalarm“ führen kann.

In den Medien gewinnt das Thema Trauma immer mehr Boden. Was für meine Begriffe dabei zu kurz kommt ist der Fakt, dass ein erlebter Krieg, eine durchlebte Naturkatastrophe oder ein überlebtes Konzentrationslager ebenso wie zivile Traumatisierungserlebnisse Narben in unserer Seele hinterlassen die noch nach Jahrzehnten Symptome erzeugen können. Diese sind bei den Betroffenen ähnlich, unabhängig von der Ursache.

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