Dienstag, 26. Januar 2010

Apropos Lebenszeit....

...die verbringe ich ja nun wirklich gerne, in dem ich mir Filme ansehe, also Kinofilme.
Was sagt das eigentlich über mich aus?
Lasse ich andere ein Leben leben und sehe mir das nur an, anstatt mein eigenes Leben zu leben? Was ist das, was mich an Kinofilmen so fasziniert?
Sarah, mein kluge Tochter, hat mal eine Theorie aufgestellt, die bezog sich aber auf Serien im Fernsehen und die griechischen Tragödien - oder wie war das? Geht es dabei, bei diesen griechischen Tragödien, nicht auch um die Seinsfrage, das Individuum und die Welt, Schuld und Sühne, Charakter und Schicksal? - ich denke schon und das alles gut Konsumbierbar verpackt in ein Rahmenhandlung, das sind Serien oder Kinofilme - könnte frau doch so sagen.
Die Wirkungsweise, also das, was der Zuschauer von griechischen Tragödien hat, hat Aristoteles schon vor über 2000 Jahren versucht zu definieren und zwar in Kapitel sechs seiner „Poetik“: „Die Tragödie ist Nachahmung einer guten und in sich geschlossenen Handlung bestimmter Größe, in anziehend geformter Sprache, wobei diese formenden Mittel in den einzelnen Abschnitten je verschieden angewandt werden – Nachahmung von Handelnden und nicht durch Bericht, die Jammer und Schaudern hervorruft und hierdurch eine Reinigung von derartigen Erregungszuständen bewirkt.“ Ja, ich glaube mich zu erinnern, das meinte Sarah auch.
Es geht also um die Verarbeitung von "Erregungszuständen", wenn ich mir einen Film ansehe? Ich denke mal, das trifft es nicht ganz - während ich versuche das zu formulieren, quängelt Jeannie und will runter um ihre "Erregungszuständen" zu bearbeiten - die Realität ist so grausam. Und draußen ist es bitter bitter kalt - kann ich berichten.
Auf jeden Fall, habe ich mir gerade diesen Film angesehen.

Ein wunderbarer Streifen - ehrlich. Der Inhalt dieses Feel-Good Streifen kann hier nachgelesen werden, eine recht anständige Kritik hier. So bleibt mir, darüber zu philosophieren, was den Film für mich ausgemacht hat: Sinnlichkeit und Liebe. Ja, die beiden Frauen werden aufrichtig von ihren Ehemännern geliebt und haben beide eine sinnliche Lust am Kochen und am Leben. Und hier schließt sich der Kreis, denn dieser Film erinnert mich an Gefühle und Wünsche, die in meinem Leben gerade nicht stattfinden. Und somit wäre ich wieder bei den alten Griechen und ihren Tragödien. Sicher gab es Liebe in meinem Leben, und nicht nur die, die zu meiner Tochter führte, es gab auch Sex, jede Menge, schließlich gab es auch die Pille und kein Aids, als ich das alles entdeckte, doch so tiefe Liebe, wie sie in diesem Film gezeigt wurde, habe ich sicher nicht erlebt. Ich wurde weder als Tochter, noch als Schwester, noch als Freundin, Geliebte oder Ehefrau jemals so geliebt, dass es mich heute noch tragen würde, oder ich mich schmerzlich daran erinnern könnte. Sicher, ich werde als Mutter und als Mensch meiner Hundinen geliebt, spürbar und das ist eine ganze Menge wofür ich auch dankbar bin. Ich habe auch Sinnlichkeit und Lust in meinem Leben, ohne Frage und Freude und Spaß und Essen habe ich auch, obwohl ich darüber nachdenke, mir auch mal ein Kochbuch anzuschaffen um zu kochen. Kochen habe ich bisher als notwendiges Übel betrachtet, das sollte ich mal überdenken. Doch, was mir immer schmerzlicher bewusst wird ist, das ich mich nicht geliebt fühle, so wie diese Frauen, in dem Film, den ich mir gerade angesehen habe, geliebt wurden.
Hatte ich erwähnt, dass es sich um real existierende Frauen handelte von denen im Film und hier die Rede ist?
Die eine ist Julia Child und die andere Julie Powells. Letztere beginnt in 2002 einen Blog und eine Leben, das in einem Buch und dann in einen Film mündet, eben diesen, den ich mir angesehen habe. Sie schreibt immer noch einen Blog und ihre Post vom 14. Januar hat 288 Kommentare, es ging darum, das ihr Hund gestorben ist...

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