Freitag, 4. Dezember 2009

Frauen, Männer und der ganze Rest

Polarität - nun ja - yin und yang auch gut. Jeannie ist gerade mehr yin, da sie "läufig" ist, was unseren Tagesablauf erstmal verkompliziert, wie auch bei den Menschen.
Wovon ich rede?
Von den Hormonen.
Sie haben eine wichtige Aufgabe, nämlich dafür zu sorgen, dass die Spezies Mensch nicht ausstirbt. OK, das gilt für einen bestimmten Lebensabschnitt, ich befinde mich in einem, da falle ich aus den gültigen Zielgruppen der Werber raus und was den Fortbestand der Menschheit anbelangt, so sehe ich das auch nicht unbedingt als meine vorrangige Aufgabe an.
Wie sagt der Rheinländer? "Jeder Jeck is anners" und meint damit, wie sind alle Individuen und das unterscheidet uns. Ok, wenn ich morgens in den Flieger gestiegen bin um nach Berlin oder Frankfurt zu fliegen, vor vielen Jahren kam das öfters vor, da habe ich mich immer gefragt, wie das sein kann, dass sie alle gleich aussehen, diese Männer und immer häufiger auch die Frauen. Waren das Clone, oder gab es da ein Nest, oder eine Glaubensgemeinschaft mit Kleidercodex? Von Individualität ist da Nichts zu sehen gewesen. Oder, unter der Woche, in der Mittagszeit im Bankenviertel von Düsseldorf sehen die Menschen, die dort Beschäftigten, so ähnlich aus und ich frage mich: Ist das Pflicht? Ist das eine andere Art von Armee?
Ihr wisst schon was ich meine. Die Amerikaner haben so etwas. Dort bekommen alle eine Glatze rasiert, wenn sie zum Militär kommen und in "Akte Jane", dem Film, hat sich Demi Moore ihr wunderschönes langes Haar ab rasiert um so auszusehen wie ihre Elitetruppenkumpels. Ach ja und in der Zeit, als ich studierte, waren meine Kommilitonen, die auch Fotografie studierten, meist so gekleidet wie ich heute, nämlich ganz in Schwarz, wobei ich das aus anderen Gründen mache als sie damals, da bin ich sicher. Was ich sagen will ist, das es Menschen gibt, die mit voller Absicht ihre Individualität aufgeben, wobei das doch ein Wert an sich ist und uns ausmacht - darum sehr schade ist.
OK, da gibt es dann noch die Per-groups zu denen Jugendliche gehören und da kleiden sie sich eben auch in bestimmte Marken, usw. usw. Doch da sind wir dann wieder bei Statussymbolen und Männer, die Frauen als solche neben sich haben und wieder an dem Punkt, an dem ich festgestellt habe, das es solche und solche gibt.

Natürlich ist unsere Umgebung, die Stimmung, die Werte unserer Gesellschaft sind Faktoren die uns beeinflussen, je jünger wir sind um so mehr und ich bin heil froh, dass ich mein Sexualität zu einer Zeit entdecken konnte in der sie noch nicht das Thema #1 war, es die Pille aber noch kein AIDS gab. Ich habe diese Zeit genossen und ausgekostet. Ja, so würde ich es nennen, es gab keine Beschränkungen und keine Gefahren und Drogen waren kein Thema, weil ich sie nicht genommen habe. Ok, ich habe geraucht und auch Alkohol konsumiert, doch eben nichts anderes. Discos waren gerade im Entstehen und eine Wohngemeinschaft das Größte an Freiheit - oder was?
Wie ich schon mal gesagt habe, ich bin in einer Familie mit starken Frauen aufgewachsen, Männer hatte da niemals Führungspositionen und ich habe gelernt, dass ich das, was ich will, selber machen muss, angefangen beim Aufbau eines bei Ikea gekauften Möbelstückes bis hin zur Anbringung einer Lampe und anderen Sachen, ihr wisst schon was ich meine.
Es gab nie in meinem Leben einen Mann, an den ich mich habe anlehnen könne, oder doch und ich habe das verdrängt? Bitte melde dich damit ich mich erinnere.
Ich habe eine Tochter und bin der Meinung, das ist das Beste was ich gemacht habe, auch wenn ihr Vater eine Null-Nummer ist.
Ich hatte Beziehungen, war unglücklich verliebt, war nicht verliebt, bin geschieden, alles, weil ich es so wollte. Ok, ich bin auch verlassen worden und das wollte ich nachweislich nicht. Dann gab es diesen Moment in meinem Leben, es war in dem Jahr als ich 50zig wurde, ist typisch für Frauen, sagen Frauen die es wissen müssen wie Christiane Northrup z.B., da hat sich mein Leben radikal verändert und das nicht nur, weil die Wechseljahre anfingen.
Seit diesem Zeitpunkt ist das Thema Männer eigentlich keines mehr für mich.
Ich bin mit Männern befreundet und nicht nur mit schwulen Männern, gerne sogar und da hat Harry aus "Harry & Sally" eben doch nicht Recht, denn Frauen und Männer können befreundet sein. Ich treffe Männer auf meinen Spaziergängen mit Hunden und ich war überrascht, als ich feststellte, dass solche Kontakte keine Angst auslösen. Was in meiner speziellen Situation begründet ist, dass solche Begegnungen Angst auslösen konnten, meine ich.
Ich kann eloquent sein im Gespräch mit Männern, kann flirten, ich fotografiere Männer, wenn sie meine Kunden sind.
Und so bin ich bei einem für mich sehr wichtigen Thema.
Um die Arbeit gut zu machen die ich mache, Menschen zu portraitieren oder auch nur, sie so zu fotografieren wie sie es sich wünschen, brauche ich eine bestimmte Sensibilität. Dieses, mit allen Sinnen präsent sein, ist sehr wichtig für mich. Lust und Sinnlichkeit wahrzunehmen und zu empfinden eben auch. Seine Kreativität ausleben, auf ganz unterschiedlichen Wegen, ist sehr lustvoll für mich.
Den Genuss erhöht die Erkenntnis, dass dies mit Sexualität erst einmal nichts zu tun hat, also mit praktizierter. Sinnlichkeit und Lust sind Gefühle, die ich alleine, isoliert haben kann - das liest sich jetzt sicher schlüpfrig. Ich meine es nicht so.
Ich bin ein Augenmensch, Fotografin eben, und es bereitet mir großes Vergnügen, großen Genuss, wenn ich mir Fotografien ansehe, oder schöne Menschen, oder Objekte und Tafelbilder, wobei ich das, was ich als "schön" empfinde eigentlich erklären müsste, doch dazu reicht hier der Platz einfach nicht.
Robert Mapplethorp hat als Fotograf auch Blumen fotografiert. Diese setzt er so ins Licht, das mich die Fotografien sehr ansprechen, auf eine sinnliche Art Genuss bereiten.

Finde gerade kein anderes Foto im Netz, seine Schwarz-Weiß Fotografien von Pflanzen sprechen mich nämlich noch mehr an.
Ebenso mag ich die Stimmen von Konstantin Wecker oder Herman van Veen, oder die Texte von Reinhard Mey, die Stimme von Hannes Wader oder Gilbert Becaud, alles Männer, um nur ein paar zu nennen - es gibt auch sehr viele Frauen, deren Stimmen ich sehr mag. Wenn ich diese Stimmen höre, ich mag auch Robbie Williams, dann ist das Genuss, den ich empfinde, nicht teilen muss - jetzt habe ich den Faden verloren, um was geht es mir?
Ach ja um Polarität.
Mir ist schon lange bewusst, dass ich den männlichen Teil in mir lebe, eben auch in solchen Momenten, in denen ich mir erlaube Genuss zu empfinden. Männer haben mir auch Genuss bereitet, keine Frage, doch, bis es mal dazu kommt, ist es eben ein Weg und den bin ich vielleicht nicht mehr bereit zu beschreiten?
Ich leiste "Beziehungarbeit", ja sicher, eben nur nicht in einer Liebesbeziehung. Und ja, es ist vielleicht tatsächlich Luxus so zu leben wie ich es tue - wer weiß. Doch ich genieße, empfinde Lust und Sinnlichkeit, ich liebe mit ganzem Herzen, habe Freude, lebe mit allen meinen Sinnen ohne in einer Liebes-Beziehung zu einem Mann oder einer Frau zu stehen und bin glücklich dabei, so oft wie es eben geht und bin unglücklich, wenn nötig, bin traurig, müde und erschöpft, muss meinen, darf meinen Alltag alleine organisieren - was immer er bringt.

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