Mittwoch, 2. September 2009

Ich muss noch was loswerden...

Heute Morgen habe ich mit einer Freundin telefoniert. Im Laufe des Gesprächs spürte ich immer deutlicher einen unendlichen Frust in ihren Worten und dann sagte sie noch was zu ihrer Arbeit, die es nicht wert sei bezahlt zu werden.
Im schlimmsten Fall meinte sie tatsächlich ihre Arbeit und im besten Fall ist sie der Meinung, dass ein Hirn-Chirurg wertvollere Arbeit tut als sie.
Mhm.
Muss ich, weil ich gerade kein Atom spalte mich wertlos fühlen?
Ist meine Arbeit nicht so nützlich, nur weil ich gerade kein Gegenmittel gegen Krebs entwickele?
Nein, so will ich nicht denken, auch, wenn ich hin und wieder den Eindruck habe, dass meine Dienstleistung von keinem Menschen benötigt wird, also, dass ich zwar Fähigkeiten habe, doch niemand diese kaufen möchte. Doch, das kann nicht bedeuten, dass meine Arbeit "nichts wert" ist, oder?
OK, den Wert unserer Arbeit bemessen wir vielleicht daran, wieviel Geld wir damit verdienen - OK, diese Bilanz geht nicht immer gut aus. Oder, besteht der Wert unser Arbeit darin, wie es uns damit geht? Also wie wir uns fühlen, wenn wir unsere Arbeit tun, wie hoch die Befriedigung ist, die wir durch sie erfahren, usw.?
OK, die Frage nach dem Wert der Arbeit kann auch ganz anders gestellt werden. Im frühen 19. Jhr. war es ein Dauerthema: Der Wert der Arbeit.
Der im Lohn beglichene Wert der Arbeit müsse deren Reproduktionskosten decken: Essen, Kleidung, Ausbildung, Gesundheit der Arbeiterfamilie. So würde auch die Würde der Arbeit gesichert. Dann trat in der frühen deutschen Arbeiterbewegung Ferdinand Lassalle auf und forderte den "gerechten Lohn". Karl Marx hatte darauf die Antwort. Der Wert, den die Arbeit erzeugt, ist etwas anderes als der Wert der Arbeitskraft, der Lohn. Die Arbeitskraft produziert nicht nur Wert, sondern auch Mehrwert, und dieser ist umso höher, je niedriger der Lohn, je ausbeuterischer die Arbeitsbedingungen, je länger die Arbeitszeit.

Stopp!
Kann ja alles richtig sein - doch ich bin Freiberuflich und werde gerade von keinem Arbeitgeber ausgebeutet, meine Freundin ebenso. Doch wir werden durch uns selber ausgebeutet oder durch die Tatsache, dass das, was wir umsetzen, nicht ausreicht um davon zu leben. „Im Schweiße unseres Angesichts“ sorgen wir für unseren Lebensunterhalt und Arbeit scheint nicht nur das halbe, sondern das ganze Leben zu sein.
Ich stelle fest: Arbeit gilt als höchstes Gut und größtes Übel.
Es ist gar nicht so leicht, zu ihr ein angemessenes, eindeutiges Verhältnis zu haben.
Vor allem auch darum,weil meine Arbeit z.B. nicht nur ein Mittel zur Befriedigung und Sicherstellung meiner Lebensbedürfnisse ist, sondern ein Bedürfnis, das meinem Leben Sinn gibt. Oder ist das Leben und sein Sinn selbst etwas außerhalb der Arbeit?

So, jetzt muss ich mich vor den Ferseher setzen, ist ehe nur 1-2 mal in der Woche der Fall, doch jetzt ist es so und ich kann dieses interessante Thema nicht weiter ausführen, freue mich jedoch über Meinungsäußerungen eurerseits.

Kommentare:

Immertreu hat gesagt…

Oft ist es so,das Leben und Sinn mit dem Inhalt der Arbeit nicht viel zu tun hat. Hier bei uns im VW-Werk sagt man, man gibt das Gehirn vorn am Eingang ab-ich glaube wenige arbeiten da (in der Produktion) weil es ihnen Spaß macht, wird aber relativ gut bezahlt (eigentlich auch relativ schlecht,wenn man bedenkt,das durch das Schichtsystem das ganze Leben bestimmt wird). Wenn man freiberuflich/selbstsändig ist,arbeitet man u.U. einige Stunden länger (ich komme öfter mal locker auf meine 12 Stunden) für weniger Geld und mit mehr Unsicherheiten-aber ich z.B. hab manchmal Pipi in den Augen beim Nähen weil ich so glücklich bin mit meinem kreativen Job-i love it.

Kirstin hat gesagt…

Gerne würde ich hier einen seitenlangen Kommentar abgeben. Doch ich kann mich nur voll und ganz deinen Worten anschließen. Ansichten, Fragen ...

Liebe Grüße, Kirstin