Montag, 3. August 2009

Ich habe ein Problem...

...und zwar wg. dieser Zeitungsmeldung! Quentin Tarantino hat sich im Zusammenhang mit seinem neuster Film "Inglourious Basterds" geäußert.

Auf der documenta - es war die von Jan Hoet 1992 - in Kassel, also die IX, habe ich Arbeiten eines Schwarzafrikaners gesehen, die mich sehr berührt haben, es waren Skulpturen von Kämpfern nach dem Kampf. Ich glaube es waren Nuba Kämpfer, an den Namen des Künstlers kann ich mich im Moment nicht erinnern. Danach habe ich mich mit den Fotografien von Leni Riefenstahl beschäftigt, die auch bei den Nuba gewesen war. Ich hatte immer große Probleme, wg. meiner Antipathie gegenüber dieser Fotografin und Filmemacherin, mich mit ihr zu beschäftigen. Auch wenn ihre Schnitttechnik und Kameraperspektiven, also ihre filmischen Ausdrucksmittel, in der damaligen Zeit revolutionäre waren, steht ihre idealisierte Darstellung von Kraft, Eleganz und Macht anhand muskulöser Körper oder mobiler Menschenmassen für mich in direktem Zusammenhang zum NS und ist für mich untrennbar damit verbunden. Sie hat ihr künstlerisches Schaffen in den Dienst dieses menschenverachtenden Systems gestellt und ist dafür verantwortlich, obwohl sie das Zeit ihres Lebens immer abgelehnt hat.
Was ich nicht akzeptieren kann.
Ihre Fotografien der Nuba habe ich mir darum angesehen, weil mich interessierte, ob sie es geschafft hatte in ihren Fotos Ähnliches einzufangen, wie diese Skulptur des Schwarzafrikaners auf der documenta. Ich konnte dann nicht umhin mir eine Meinung zu ihr zu bilden.

Für mich hat ein Künstler/eine Künstlerin eine Verantwortung. Arbeiten stehen immer in einem zeitlichen Kontext, schon klar, doch, wenn sie, wie bei L.R., in den Dienst eines verbrecherischen Systems gestellt werden, wie es der NS war, dann kann nicht nur über die Astethik dieser Arbeiten geschwafelt werde. Das ist nicht richtig. Vor allem auch darum nicht weil L.R. sich niemals davon distanziert hat. Mir ist schon bewuß, dass sie als berufstätige Frau in dieser Zeit eine einmalige Chance hatte, und trotzdem finde ich es verwerflich, dass sie sie, in der Gewissheit wem sie damit dient, nutzte und es niemals bereut hat.

Wenn Quentin Tarantino nun erklärt, dass er L.R. verehrt, so verliert er damit in meinen Augen, auch wenn Pulp Fiction und Jackie Brown an sehenswerte Kinofilme waren.

Ich bin nie recht warm mit Quentin Tarantino geworden und Kill Bill konnte ich mir nicht ansehen, ich mag das Zelebrieren von Gewalt und Brutalität in Filmen einfach nicht.
Das fing an mit Spiel mir das Lied vom Tod - im Original Once Upon a Time in the West - diesem Italo-Western aus 1968, der von Sergio Leone inszeniert wurde und zu den erfolgreichsten und angesehensten Filmen seines Genres zählt. Zu der Musik von Ennio Morricone wird in diesem Film, meiner Ansicht nach, das Töten Unschuldiger zelebriert. Das ist für mich sehr nahe, zu nahe am Gedankengut des NS.
Ich kann mir nicht helfen, doch eine Ästhetik, die im Dienste eines Inhalts steht, der für mich einer Verherrlichung des Gedankenguts des NS gleich kommt, ist nicht in Ordnung, kann keine Kunst sein.

Und nun noch das: Tarantino las zur Vorbereitung auf seinen neuen Weltkriegsfilm "Inglourious Basterds" unter anderem die Memoiren Riefenstahls sowie die Tagebücher von Propagandaminister Joseph Goebbels. Gut, so etwas kann ja für eine Recherche notwendig sein, doch dann total unkritisch über L.R. zu sagen "Sie war die beste Regisseurin, die je lebte" geht mir einfach zu weit. Ich kann nicht anders, ich sehe das so. Kunst steht immer in einem Kontext, manchmal ist sie ihrer Zeit weit vorraus und manchmal ist sie eben ganz stark von gestern...

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Ich gebe dir zu 100 Prozent Recht,danke für so klare Worte ,bey Lukas