Freitag, 26. Dezember 2008

Peter Maiwald ist tot (*8. November 1946 )

Er ist am 1. Dezember in Düsseldorf gestorben, doch irgendwie habe ich dies nicht mitbekommen, obwohl ich ihn kannte und schätzte. Als 1984 seine „Balladen von Samstag auf Sonntag“ erschienen, nannte Marcel Reich-Ranicki den Gedichtband ein Ereignis: „Von nun an gehört Peter Maiwald zur ersten Reihe der deutschen Lyriker dieser Jahre.“
Er hat aber auch Hörspiele und Kinderbücher geschrieben, scharfsinnige Essays, grandiose Kurz-Prosa. Ich habe mit ihm am Tisch gesessen, gelacht und getrunken, ich liebe seine Gedichte:

Was ein Kind braucht

Wenn ein Kind geboren ist,
braucht es eine Wohnung,
Kleider, eine Spielzeugkist,
Bonbons als Belohnung,
Murmeln und ein eigenes Bett,
einen Kindergarten, Bücher
und ein Schaukelbrett,
Tiere aller Arten,
Wälder, Wiesen, eine Stadt,
Sommer, Regen, Winter,
Flieger, Schiffe und ein Rad,
viele andre Kinder,
einen Mann, der Arbeit hat,
eine kluge Mutter,
Länder, wo es Frieden hat
und auch Brot und Butter.
Wenn ein Kind nichts davon hat,
kann's nicht menschlich werden.
Daß ein Kind das alles hat,
sind wir auf der Erden.

Ich habe ihn auch fotografiert, wenn ich das Foto finde, werde ich es nachreichen.
Wenn ich ihn getroffen habe, hat er mich grundsätzlich eingeladen, auf einen Kaffee oder ein Eis und dann gesagt, da er meinte keine Rente zu bekommen, dass ich ihn, wenn er alt und "arm" wäre einladen müsse - er ist 62 Jahre alt geworden.

2001 schrieb Peter Maiwald für die "Neue Zürcher Zeitung" eine "Gebrauchsanweisung für Gedichte". Darin heißt es:

"Gehen Sie mit den Gedichten so misstrauisch um wie mit einem Hausierer an der Wohnungstür. Denken Sie stets daran, dass Gedichte eitel sind und Ihnen etwas aufschwatzen wollen, vorzugsweise sich selbst. Beachten Sie, dass Gedichte Ihre Zeit und Ihr Geld kosten wollen, weil sie selbst Zeit und Geld gekostet haben. Lesen Sie das Kleingedruckte! Gedichte, die Ihnen Ehrfurcht, Hochachtung, Gottvertrauen in profaner Form, Kunst um der Kunst willen abverlangen - statt Verstand, Gefühl und Vergnügen an beidem, lesen Sie bitte mit doppeltem Misstrauen."

1 Kommentar:

stufenzumgericht hat gesagt…

Hallo Beate,
was für ein schönes Gedicht, musste direkt bei dir nachschauen, weil ich auch eine geb. Maiwald bin, aber mit "deinem" Peter weder verwandt noch verschwägert. Aber allein dieser schöne Nachname zieht magisch an,war es der "Maiwald" von der Sendung mit der Maus?
GLG, Martina